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Selbstdarstellung

Selbstdarstellung Bündnis gegen Rechts in Weißensee – Bündnis gegen den Thor Steinar Laden in Weißensee!

Ende Oktober 2011 hieß es plötzlich: Morgen eröffnet ein Thor Steinar Laden in der Berliner Allee 11. In weniger als 24 Stunden wurden Emails verfasst, Plakate gemalt, Pressemitteilungen diskutiert und ein kleiner Protestauftakt gegen die Neueröffnung organisiert. Am Freitag, den 28.10. standen dann bereits morgens um 8.30 Anwohner/innen aus Weißensee, Vertreter/innen von Freizeit- und Jugendeinrichtungen, Antifaschist/innen und andere engagierte Menschen und Initiativen, darunter auch eine Schulklasse vor der Ladenzeile und machten deutlich:
Stopp Thor Steinar in Weißensee!

Unter diesem Motto fand dann sechs Wochen später eine mit 80 Personen gut besuchte Anwohner/innenversammlung statt. Der Bezirksbürgermeister, ein Vertreter von Kein Kiez für Nazis sowie eine Vertreterin von der Mobile Beratung gegen Rechts in Berlin sprachen auf dieser Veranstaltung über die Hintergründe des Thor Steinar Ladens, über mögliche Protestformen, die Wichtigkeit eines gesamtgesellschaftlichen Bündnisses

...Dieses gründete sich dann wenige Tage später und lud für ein größeres Treffen ein. Inzwischen treffen wir uns in diesem Bündnis-Zusammenhang jeden zweiten Montag im Monat im Frei-Zeit-Haus. Wir verstehen uns als offenen Zusammenhang, zu dem Gruppen- und Institutionenvertreter/innen eingeladen sind, wie aber auch Anwohner/innen. Zum Bündnis gehören aktuell Vertreter/innen von Kein Kiez für Nazis, dem Frei-Zeit-Haus in der Pistoriusstraße, dem Bildungsverein Kreuzpfuhl, der SPD, der Linkspartei sowie der Grünen, der Netzwerkstelle gegen Rechts [moskito], der Mobilen Beratung gegen Rechts, von Mitgestalter e.V., dem Bezirksamt (Integrationsbeauftragte), der North-East Antifascists [NEA] und der Antifa Initiative Nord-Ost [AINO] u.v.m.

Im ersten halben Jahr fanden schon viele Aktionen und kleine Ereignisse statt. So haben wir eine Light-Rider-Aktion auf dem Antonplatz durchgeführt und klare Worte gegen den Laden gefunden, es wurden Briefe an den Hausbesitzer der Berliner Allee 11 geschrieben, um deutlich zu machen, dass wir fordern sobald wie möglich den Mieter/innen zu kündigen, einige Bündnismitglieder haben auch den Hausbesitzer an seinem Wohnort aufgesucht, ferner haben wir viele, viele Flyer an die Haustüren alle Anwohner/innen geklebt, um über den Laden aufzuklären. Auch gab es bereits eine Demo. Desweiteren gab es ein großes Straßenfest, das auf dem Antonplatz in unmittelbarer Nähe des Ladens ein Zeichen für Respekt und Vielfalt setzte und deutlich machte: „Thor Steinar muss weg!“ Hinzu kommen erste Flyer und Aufkleber für die Weißensee Geschäftswelt, die mit einem extra gefertigten Aufkleber ein klares Signal gegen Rechtsextremismus in ihre Scheiben kleben können! Geplant ist eine Container-Aktion, mehr dazu in den kommenden Wochen!

Was denn so schlimm an diesen Klamotten ist?
Thor Steinar ist eine beliebte Kleidermarke bei Neonazis und dient ihnen unter anderem als Erkennungsmerkmal. Ganz bewusst spielt die Marke mit Symbolen, die auf Gewalt, Nationalsozialismus oder den deutschen Kolonialismus anspielen. Thor Steinar ist eine Modemarke, die oft auf Neonazi-Aufmärschen beobachtet werden kann. In mehreren Bundesliga-Stadien und im Deutschen Bundestag ist das Tragen der Marke bereits verboten.
Ein T-Shirt der Kinder¬kollektion: abgebildet Reiterfigur, Untertitel „Expedition Süd-West Afrika“. Doch was zunächst nach harmlosen Kinderträumen und Reiter-Spielen aus¬sieht, ist eine Anspielung auf Apartheid und deutsche Kolonialherrschaft in der Gegend des heutigen Namibias. Die Reiterfigur ist eine Abbildung des 1912 errichteten Denkmals, das positiv an die deutsche Kolonialzeit erinnert - nicht an die Unterdrückung und die Ermordung der vielen Menschen, die aufgrund von Internierung, Vertreibung und Krieg durch die Kolonialherren starben. Das T-Shirt veranschaulicht, wie Symbole im Kontext von Klamotten funktionieren. So tragen heute Menschen, die sich der rechtsextremen Szene zuordnen, nicht Springerstiefel und Bomberjacke, sondern Botschaften, die sich positiv auf die deutsche Kolonialzeit, den Nationalsozialismus o.ä. beziehen. Je mehr diese Symboliken in Alltagskulturen eindringen und sich normalisieren, umso enger wird der Raum für Vielfalt und demokratische Partizipation.
Ein anderes Shirt hat den Aufdruck „Sand und Sonne“. Darunter Palmen, ein Dampfschiff und der Schriftzug „Südsee Kreuzfahrt – Palau & Marshall Inseln“. Doch was aussieht wie ein gewöhnliches Freizeit-Shirt, ist ein Kleidungsstück, das Kenner und Mitglieder rechtsextremer Szenen verrät. Die Südsee-Kreuzfahrt führt nach Palau und zu den Marshall-Inseln. Diese waren vor 100 Jahren Teil des kolonisierten Deutsch-Neuguinea. Doch das Schiff im Hintergrund ist keineswegs ein Kreuzfahrt-Dampfer, sondern ein Kriegsschiff der deutschen Marine während des Ersten Weltkrieges. Im Nacken schließlich findet sich die Losung »Heia-Safari«, der Titel mehrerer deutscher Marschlieder aus beiden Weltkriegen. Ob die beiden Palmen im Nacken nur zufällig dem Logo des deutschen Afrika-Korps ähneln, sei in diesem Zusammenhang dahingestellt.
Zu Beginn der 90er Jahre waren Anhänger rechter Szenen leichter zu erkennen. Springerstiefel, Bomberjacke und Glatze wurden inzwischen abgelöst von Codes und Symbole, die oft schwer zu erkennen sind, aber dennoch eindeutig Mitglieder einer rechtsextremen Szene identifizieren. Doch nicht nur Erkennung von Gleichgesinnten durch verborgene Codes, auch die Einschüchterung von allen, die als Gegner ausgemacht werden, gehört zur ästhetischen Funktion von Thor-Steinar-Kleidung: »Kontaktfreudig« steht auf einem anderen Shirt, unterlegt wird diese Kontaktfreudigkeit von Blutspritzern. »Hausbesuche« droht ein weiteres Motiv mit einer automatischen Waffe an. Je verbreiteter solche Motive in der Öffentlichkeit sind, desto normaler werden rechtsextreme Symbole und mit ihnen auch rechtsextremes Denken und Handeln. Das Ringen um Hegemonie im Alltag ist nämlich keineswegs symbolisch. Am Ende steht die Frage: Wer kann sich in welcher Gegend angstfrei bewegen - und wer nicht?
Damit ist auch klar: Demokratische Alltagskultur verträgt sich nicht mit Thor Steinar.

Deswegen: Wir wollen uns mit immer mehr Menschen aus Weißensee und drüber hinaus zusammen schließen und gemeinsam gegen den Laden vorgehen, der in der Berliner Allee 11 Thor Steinar Kleidung verkauft.

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